Teil 1
MDM Operating Model
Begriffe vor dem Lesen
- Governance — Gemeinsame Regeln, Rollen und Nachweise, damit Daten verantwortbar genutzt werden.
- Owner — Fachlich verantwortliche Person oder Rolle, die Zweck, Bedeutung und Freigabe klärt.
- Custodian — Technische Rolle, die Plattform, Zugriff, Betrieb oder Umsetzung betreut.
- Evidence — Nachvollziehbarer Nachweis zu Entscheidung, Prüfung, Umsetzung oder Ausnahme.
Warum Master Data Management ein Betriebsmodell braucht
Master Data Management (MDM) verwaltet gemeinsam genutzte Kerndaten wie Kunden, Lieferanten oder Produkte. Die Software kann Datensätze vergleichen und verteilen. Sie kann jedoch nicht entscheiden, welche fachliche Bedeutung gilt, welches Fehlerrisiko akzeptabel ist oder wer einen strittigen Datensatz freigibt.
Ein tragfähiges Betriebsmodell verteilt deshalb Entscheidungen: Der Fachbereich verantwortet Bedeutung und Nutzung, Data Stewards bearbeiten Konflikte, technische Teams betreiben Regeln und Schnittstellen. Datenschutz, Informationssicherheit oder Recht werden dort beteiligt, wo ihr Mandat berührt ist.
Die vier Steuerungsfelder
- Verantwortung: Für jedes Stammdatenobjekt ist festgelegt, wer Regeln freigibt und wer Konflikte bearbeitet.
- Zusammenführung: Vergleichs-, Zusammenführungs- und Trennregeln sind versioniert und testbar.
- Verteilung: Nutzende Systeme wissen, welche Version sie erhalten und wie Änderungen angekündigt werden.
- Betrieb: Fehler, Ausnahmen und Regeländerungen landen in einer nachvollziehbaren Warteschlange.
Entscheidungen und Rollen
| Entscheidung | Verantwortlich | Technischer Beitrag | Nachweis |
|---|---|---|---|
| Was bedeutet ein Kunde oder Produkt? | Fachlicher Data Owner | Datenmodell prüfen | freigegebene Definition |
| Wann gelten zwei Datensätze als dieselbe Entität? | Data Owner mit Steward | Vergleichsregel implementieren | Regelversion und Testfälle |
| Welcher Wert wird verteilt? | Fachlicher Data Owner | Prioritätsregel betreiben | Entscheidung und Herkunft |
| Wie wird ein Fehler korrigiert? | Data Steward | Korrektur ausführen | Fallhistorie und Ergebnis |
Der technische Betrieb darf Regeln nicht still verändern. Umgekehrt darf der Fachbereich keine Regel freigeben, deren technische Wirkung und Rückabwicklung ungeklärt sind.
Ein sinnvoller Einstieg
Wählt ein wichtiges Objekt, etwa den Geschäftskunden. Nehmt zwei Quellsysteme und ein nutzendes System in den Umfang. Dokumentiert Identifikatoren, Vergleichsregeln, Prioritäten, Konfliktweg und Verteilung. Testet einen eindeutigen Treffer, einen Grenzfall, eine falsche Zusammenführung und die anschließende Trennung.
Der Einstieg ist gelungen, wenn ein Außenstehender erklären kann, warum ein Datensatz zusammengeführt wurde, welche Quellwerte erhalten blieben und wer die Entscheidung ändern darf.
Messung
- Anteil automatisch zusammengeführter Fälle, getrennt nach sicherer Regel und Grenzfall
- falsch zusammengeführte und übersehene Dubletten aus geprüften Stichproben
- Zeit bis zur Entscheidung bei strittigen Fällen
- Zahl der nutzenden Systeme mit bekannter Regel- und Datenversion
- offene Ausnahmen ohne verantwortliche Person oder Ablaufdatum
Checkliste
- Fachliche und technische Verantwortung sind getrennt und benannt.
- Vergleich, Zusammenführung und Trennung sind als eigene Entscheidungen dokumentiert.
- Quellwerte und Herkunft bleiben nach einer Zusammenführung nachvollziehbar.
- Änderungen werden vor der Verteilung mit realistischen Fällen getestet.
- Nutzende Systeme erhalten Hinweise auf relevante Regeländerungen.
Artefakt
Das Ergebnis ist eine MDM-Betriebskarte: Objekt, beteiligte Quellen, nutzende Systeme, Entscheidungsrechte, Regeln, Konfliktweg, Tests und Ablageorte der Nachweise auf einer Seite.