Teil 1
Ein KPI beginnt mit einer Entscheidung
Begriffe vor dem Lesen
- Ein Key Performance Indicator (KPI) ist eine Kennzahl, die eine konkrete Steuerungsfrage beantwortet und eine Handlung unterstützt.
- Die fachliche Einheit legt fest, was gezählt wird, beispielsweise Sendungen oder Auftragspositionen.
- Die Periode bestimmt den betrachteten Zeitraum und den Umgang mit späteren Korrekturen.
Ausgangslage
Sales meldet 94 Prozent pünktliche Lieferungen, Finance 81 Prozent. Beide Formeln sind rechnerisch korrekt. Sales zählt Sendungen; Finance zählt Auftragspositionen und berücksichtigt Stornierungen anders. Der Streit ist kein Rechenfehler. Es fehlt die Entscheidung, welche Frage die Kennzahl beantworten soll.
Von der Handlung zur Formel
Zuerst wird der Entscheidungssatz formuliert: „Wenn die pünktliche Lieferquote unter 90 Prozent fällt, prüfen wir betroffene Regionen und passen Zusagen für den nächsten Zeitraum an.“ Danach werden fachliche Einheit, Zeitraum, Zielgruppe und Ausnahmen festgelegt. Erst dann folgt die Formel.
Eine andere Handlung kann eine andere Kennzahl benötigen. Die operative Liefersteuerung kann Sendungen betrachten, während die Finanzbewertung Auftragspositionen verwendet. Beide dürfen existieren, müssen aber unterschiedlich benannt und beschrieben sein.
Beispiel
Die Kennzahl „pünktlich geliefert“ zählt abgeschlossene Sendungen, deren tatsächlicher Liefertermin nicht nach dem bestätigten Termin liegt. Teillieferungen werden als eigene Sendungen betrachtet. Stornierte Aufträge gehören nicht in den Nenner. Die Kennzahl wird wöchentlich für die operative Steuerung verwendet; Finance besitzt eine getrennte Kennzahl für finanzielle Auswirkungen.
Prüffragen
- Welche Entscheidung oder Handlung unterstützt die Kennzahl?
- Was genau wird gezählt?
- Welche Periode und welche Korrekturregel gelten?
- Welche Fälle sind eingeschlossen oder ausgeschlossen?
- Kann eine andere fachliche Frage bewusst eine andere Kennzahl verwenden?