Teil 1
Datenverträge als verlässliche Arbeitsvereinbarung
Begriffe vor dem Lesen
- Ein Datenvertrag ist eine versionierte Vereinbarung zwischen einem bereitstellenden und einem nutzenden Team über Inhalt, Bedeutung, Qualität und Änderung eines Datenprodukts.
- Ein Schema beschreibt technische Felder und Datentypen. Es erklärt noch nicht vollständig, was die Daten fachlich bedeuten.
- Ein Produzent stellt Daten bereit. Ein Verbraucher verwendet sie in einem Prozess, Bericht, Modell oder anderen Datenprodukt.
- Eine Invariante ist eine zugesicherte Regel, die immer gelten muss, beispielsweise eine eindeutige Auftragsnummer.
Ausgangslage
Ein Quellsystem liefert täglich Auftragsdaten. Das bereitstellende Team ergänzt ein Feld, ändert später die Bedeutung des Status „abgeschlossen“ und korrigiert alte Datensätze rückwirkend. Technisch bleibt die Tabelle lesbar. Im Umsatzbericht und in der Lieferprognose entstehen trotzdem andere Ergebnisse.
Ein Datenvertrag verhindert nicht jede Änderung. Er macht sichtbar, worauf sich Verbraucher verlassen dürfen, wie Änderungen angekündigt werden und wer bei einem Konflikt entscheidet.
Was in einen Datenvertrag gehört
| Bestandteil | Beispiel | Warum er wichtig ist |
|---|---|---|
| Zweck und Umfang | abgeschlossene Kundenaufträge für Abrechnung und Liefersteuerung | verhindert Nutzung außerhalb der vereinbarten Aussage |
| Fachliche Einheit | eine Zeile je Auftragsposition | schützt vor falschem Zählen |
| Felder und Bedeutung | Abschlussdatum = Zeitpunkt der fachlichen Freigabe | ergänzt das technische Schema |
| Qualitätsregeln | Auftragsnummer eindeutig, Währung vorhanden | beschreibt verlässliche Mindestbedingungen |
| Aktualität | werktags bis 06:00 Uhr | macht Verspätungen bewertbar |
| Änderung und Version | ankündigen, testen, Übergangszeit vereinbaren | schützt bekannte Verbraucher |
| Verantwortung | Product Owner entscheidet, Steward koordiniert, Technik setzt um | verhindert Verantwortungslücken |
Zugriffsregeln, Schutzbedarf und Aufbewahrung gehören ebenfalls hinein oder werden eindeutig verlinkt. Der Vertrag bleibt lesbar; technische Details können in prüfbaren Schema- oder Testdateien liegen.
Wer vereinbart den Vertrag?
Der Data Product Owner des bereitstellenden Teams verantwortet Angebot, Prioritäten und zugesicherte Leistung. Fachliche Owner entscheiden über Bedeutung und erlaubte Nutzung. Der Data Steward koordiniert Definitionen, bekannte Verbraucher und offene Abweichungen. Technische Betreiber setzen Prüfungen und Veröffentlichung um. Verbraucher bestätigen, welche Felder und Zusagen für ihren Prozess kritisch sind.
Der Katalog kann den Vertrag auffindbar machen, ist aber nicht selbst die Vereinbarung. Ein Schema-Werkzeug kann Datentypen prüfen, entscheidet aber nicht, was „abgeschlossen“ fachlich bedeutet.
Ein kleines Beispiel
Für das Datenprodukt „Auftragsstatus“ wird vereinbart: Eine Zeile beschreibt eine Auftragsposition. Der Status „abgeschlossen“ bedeutet, dass Leistung und fachliche Freigabe vorliegen. Daten erscheinen werktags bis 06:00 Uhr. Fehlen mehr als 0,5 Prozent der Währungsangaben, wird die Veröffentlichung markiert und Abrechnung informiert. Änderungen an Bedeutung oder fachlicher Einheit benötigen eine neue Hauptversion.
Diese wenigen Sätze sind wertvoller als ein hundertseitiges Dokument, das keine konkrete Zusage enthält.
Prüffragen
- Versteht ein fachlicher Nutzer Zweck und Bedeutung ohne Quellcode?
- Sind fachliche Einheit, kritische Felder und Qualitätsregeln eindeutig?
- Ist bekannt, welche Verbraucher auf den Vertrag bauen?
- Sind Änderung, Ausnahme und Eskalation beschrieben?
- Stimmen Dokumentation, technische Prüfungen und tatsächliche Daten überein?